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EU AI Act Compliance: Selbst umsetzen oder extern begleiten lassen – was passt zu Ihrem Betrieb?

Inhaltsverzeichnis

Veröffentlicht: 15. Juni 2026 · Lesezeit: ca. 13 Minuten

Es ist Dienstagmorgen. Ihre Assistentin öffnet wie gewohnt das KI-gestützte Textprogramm, das Sie vor einigen Monaten für die Angebotserstellung eingeführt haben. Ein Kollege nutzt seit Kurzem einen KI-Chatbot für die Kundenkommunikation. Die Buchhaltung arbeitet mit einem automatisierten Rechnungserkennungstool. Alles läuft reibungslos – aber dann liest Ihr Steuerberater bei einem kurzen Telefonat beiläufig: „Habt ihr eigentlich die neuen Schulungspflichten aus dem AI Act auf dem Schirm?“

Sie nicken, obwohl Sie im Stillen überlegen, was das konkret für Ihren Betrieb bedeutet. Müssen Sie jetzt Dokumentationen erstellen? Mitarbeiter schulen? Einen externen Berater beauftragen – oder reicht ein strukturierter Nachmittag mit dem Team?

Genau hier setzt dieser Artikel an. Denn die Frage ist nicht, ob der EU AI Act für Ihren Betrieb relevant ist – das ist er. Die Frage ist, wie Sie Compliance sinnvoll und ohne unnötigen Aufwand sicherstellen.

Die EU AI Act KMU Compliance beschäftigt derzeit Betriebe aller Branchen: Seit Februar 2025 gilt die Kompetenzpflicht nach Artikel 4 für jedes Unternehmen, das KI-Systeme einsetzt – unabhängig von der Risikokategorie. Bis August 2026 müssen zudem alle weitergehenden Anforderungen, insbesondere für Hochrisiko-Anwendungen, vollständig erfüllt sein. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Für kleine und mittlere Unternehmen stellen sich dabei zwei grundlegend verschiedene Wege heraus: Compliance eigenständig aufzubauen – oder sie durch einen erfahrenen IT-Partner strukturiert begleiten zu lassen. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, aber auch klare Grenzen. Welcher zu Ihrem Betrieb passt, hängt von Ihren genutzten KI-Systemen, Ihren internen Ressourcen und Ihrem Risikoappetit ab.

Dieser Artikel vergleicht beide Wege: Was steckt hinter der Eigenregie-Lösung, was hinter der extern begleiteten Compliance? Wo liegen die Entscheidungspunkte? Und was sollten Sie in den nächsten Wochen konkret tun? Sie erhalten eine ehrliche Einschätzung – ohne Panikmache, aber auch ohne Verharmlosung.

KennzahlWertQuelle
Deutsche Unternehmen (ab 20 MA), die KI aktiv nutzen36 % (Vorjahr: 20 %)Bitkom Research 2025
Unternehmen, die rechtliche Unsicherheit als größtes KI-Hemmnis nennen53 %Bitkom Research 2025
KMU in Deutschland ohne KI-Strategie68 %maximal.digital / KPMG 2025
Maximales Bußgeld bei AI-Act-Verstößen35 Mio. € oder 7 % des JahresumsatzesEU AI Act (VO 2024/1689)

Worum geht es? Die EU AI Act KMU Compliance-Entscheidung, vor der Ihr Betrieb jetzt steht

Worum geht es? Die EU AI Act KMU Compliance-Entscheidung, vor der Ihr Betrieb jetzt steht – EU AI Act KMU Compliance

Der EU AI Act teilt KI-Systeme in Risikokategorien ein: verboten, hochriskant, begrenzt und minimal. Die gute Nachricht zuerst: Die meisten KI-Werkzeuge, die in typischen Betrieben im Einsatz sind – Textassistenten, automatisierte Rechnungserkennung, Chatbots für den Kundendienst – fallen in die Kategorien „Begrenzt“ oder „Minimal“. Das bedeutet in erster Linie Transparenzpflichten und Schulungsanforderungen, keine aufwändige technische Zertifizierung.

Trotzdem stehen viele Betriebe vor einer echten Entscheidung: Laut Bitkom Research 2025 nennen 53 Prozent der Unternehmen rechtliche Unsicherheiten als ihr größtes Hemmnis beim KI-Einsatz. Und 68 Prozent der KMU verfügen bislang über keine KI-Strategie (maximal.digital / KPMG 2025) – was bedeutet, dass Compliance oft ungeplant und reaktiv angegangen wird.

Konkret geht es um zwei grundlegende Wege:

  • Eigenregie: Ihr Betrieb dokumentiert KI-Einsätze, schult Mitarbeiter und überwacht Pflichten intern – mit vorhandenen Ressourcen und verfügbaren Leitfäden.
  • Extern begleitet: Ein erfahrener IT-Partner übernimmt Bestandsaufnahme, Dokumentation, Schulungen und laufende Überwachung strukturiert und rechtssicher.

Ein Maschinenbauer aus Duderstadt, der KI-gestützte Qualitätskontrolle einsetzt, steht dabei vor ganz anderen Anforderungen als ein Handwerksbetrieb aus dem Eichsfeld, der nur einen Schreibassistenten für Angebote nutzt. Die Digitalisierungsberatung der TTG GmbH beginnt daher immer mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Welche KI-Systeme nutzen Sie tatsächlich – und welche Risikokategorie treffen diese?

Die Antwort auf diese Frage entscheidet, ob Eigenregie ausreicht oder ob Sie professionelle Begleitung benötigen.

Option A: Eigenständige EU AI Act KMU Compliance – Stärken und Grenzen

Eigenständige EU AI Act KMU Compliance bedeutet: Ihr Betrieb organisiert die nötigen Schritte selbst – mit einem verantwortlichen Mitarbeiter, verfügbaren Leitfäden und internen Schulungsmaßnahmen. Für Betriebe, die ausschließlich KI-Systeme der Kategorien „Minimal“ oder „Begrenzt“ nutzen, ist das grundsätzlich machbar.

Die Pflichten, die ab Februar 2025 bereits gelten, sind überschaubar: Sie müssen sicherstellen, dass Mitarbeitende, die KI-Systeme bedienen, ausreichend geschult sind (Artikel 4 EU AI Act). Das kann ein dokumentiertes internes Training sein – kein Zertifikatskurs, keine externe Prüfung. Hinzu kommt bei bestimmten KI-Systemen eine Transparenzpflicht gegenüber Nutzern.

Stärken des Eigenregie-Wegs:

  • Geringere Kosten, wenn KI-Nutzung im Betrieb überschaubar ist
  • Volle Kontrolle über Tempo und Dokumentationsformat
  • Aufbau internen Wissens, das langfristig nützt
  • Geeignet für Betriebe mit nur 1–2 KI-Anwendungen in niedrigen Risikokategorien

Grenzen des Eigenregie-Wegs:

  • Fehlende Rechtssicherheit: Ohne juristische Einschätzung bleibt unklar, ob die eigene Dokumentation im Ernstfall standhält
  • Zeitaufwand wird unterschätzt: Eine saubere Bestandsaufnahme aller KI-Systeme dauert erfahrungsgemäß zwei bis vier Arbeitstage
  • Kein laufendes Monitoring: KI-Systeme entwickeln sich weiter – wer Compliance einmal dokumentiert und nicht überprüft, riskiert Lücken
  • Bei Hochrisiko-KI schnell überfordert: Technische Dokumentation, Konformitätsbewertung und Audit-Vorbereitung sind ohne Fachkenntnis kaum leistbar

Die Datensicherheit beim KI-Einsatz – TTG GmbH ist dabei ein häufig unterschätzter Aspekt: Viele KI-Tools übermitteln Daten an externe Server. Wer das nicht prüft, riskiert nicht nur AI-Act-Verstöße, sondern auch DSGVO-Probleme. Das BSI gibt konkrete Empfehlungen zum sicheren KI-Einsatz, die als Ausgangspunkt für die Eigenregie dienen können – ersetzen aber keine individuelle Einschätzung für Ihren Betrieb.

Option B: Extern begleitete EU AI Act KMU Compliance – Stärken und Grenzen

Bei der extern begleiteten EU AI Act KMU Compliance übernimmt ein spezialisierter IT-Partner die strukturierte Umsetzung: von der Bestandsaufnahme der eingesetzten KI-Systeme über die Risikoklassifizierung bis hin zu Dokumentation, Mitarbeiterschulungen und laufendem Monitoring. Das klingt aufwändig – ist es aber für die meisten Betriebe nicht, wenn der Prozess erfahren begleitet wird.

Laut Destatis 2024 liegt die KI-Nutzungsquote bei kleinen Unternehmen bei 17 Prozent, bei mittleren bei 28 Prozent. Das bedeutet: Viele Betriebe sind gerade dabei, ihre ersten KI-Werkzeuge einzuführen – und genau in dieser Phase ist externe Begleitung am wertvollsten, weil Compliance von Anfang an mitgedacht werden kann.

Stärken der extern begleiteten Compliance:

  • Rechtssicherheit durch erfahrene Einschätzung der Risikoklassifizierung
  • Strukturierte Dokumentation, die im Ernstfall vor Behörden standhält
  • Entlastung des eigenen Teams – kein internes Fachwissen über EU-Regulatorik nötig
  • Laufende Aktualisierung bei neuen gesetzlichen Anforderungen
  • Synergie mit bestehenden IT-Sicherheits- und Datenschutzmaßnahmen

Grenzen der extern begleiteten Compliance:

  • Höhere Initialkosten als reines Eigenmanagement
  • Qualität hängt stark vom Partner ab – nicht jeder Anbieter kennt die Besonderheiten kleiner Betriebe
  • Internes Wissen wächst langsamer, wenn alles delegiert wird

Ein wichtiger Hebel, den viele Betriebe nicht kennen: Als ISO/IEC 27001 zertifizierter IT-Partner – TTG GmbH arbeiten wir nach einem anerkannten Sicherheitsrahmen, der sich direkt mit den Anforderungen des EU AI Acts verknüpfen lässt. Wer bereits ein zertifiziertes Informationssicherheits-Management-System nutzt, hat den Großteil der Dokumentationsgrundlage für AI-Act-Compliance bereits geschaffen – ein klarer Vorteil, der Zeit und Kosten spart.

Direkte Gegenüberstellung: Wann lohnt sich welcher Weg?

Direkte Gegenüberstellung: Wann lohnt sich welcher Weg? – TTG GmbH Dingelstädt

Die Entscheidung zwischen Eigenregie und externer Begleitung hängt nicht allein von der Unternehmensgröße ab – entscheidend ist, welche KI-Systeme Sie einsetzen, welche Ressourcen intern verfügbar sind und wie hoch das regulatorische Risiko im Fehlerfall ist. Die folgende Tabelle gibt Ihnen eine ehrliche Orientierungshilfe:

Situation in Ihrem BetriebEmpfehlungWarum
1–2 KI-Tools, nur Minimal-Risiko (z.B. Schreibassistent)Eigenregie mit ChecklisteÜberschaubarer Dokumentationsaufwand, kein Hochrisiko-Szenario
3+ KI-Systeme, verschiedene AnwendungsbereicheExtern begleitetBestandsaufnahme und Klassifizierung komplex, Fehlerrisiko steigt
KI in personalrelevanten Prozessen (z.B. Bewerbungsscreening)Extern begleitet (zwingend)Hochrisiko-Kategorie, technische Dokumentation und Audit erforderlich
KI in medizinischen oder sicherheitsrelevanten AnwendungenExtern begleitet (zwingend)Strengste Anforderungen des EU AI Acts, Konformitätsbewertung nötig
Kein klares Bild, welche KI-Tools im Betrieb laufenBestandsaufnahme externOhne vollständiges Inventar keine belastbare Compliance möglich
Vorhandene ISO 27001-Zertifizierung oder DSGVO-StrukturHybrider AnsatzBestehende Dokumentation als Grundlage nutzen, Lücken gezielt schließen

Was die Praxis zeigt: Betriebe, die bereits über eine strukturierte IT-Sicherheitsstrategie verfügen, schaffen EU AI Act KMU Compliance deutlich schneller – weil Prozesse, Verantwortlichkeiten und Dokumentationsroutinen bereits existieren. Laut Bitkom Research 2025 nennen 51 Prozent der Unternehmen fehlende personelle Ressourcen als Hemmnis. Das ist ein starkes Argument für die externe Begleitung: Sie schonen Ihre Kapazitäten dort, wo sie am knappsten sind.

Informieren Sie sich auch über mögliche Förderprogramme: Die Förderberatung für Digitalisierungsprojekte – TTG GmbH zeigt Ihnen, welche Bundesprogramme und Landesmittel für KI-Einführung und Compliance-Projekte in Frage kommen – das reduziert die tatsächlichen Kosten oft erheblich.

Was die Praxis zeigt: Erfahrungen aus der Umsetzung in der Region

Die theoretische Unterscheidung zwischen Eigenregie und externer Begleitung klingt klar – in der Praxis erleben wir regelmäßig, dass die Realität vielschichtiger ist. Schauen wir auf drei typische Betriebsszenarien, die repräsentativ für viele Unternehmen in der Region stehen.

Szenario 1 – Handwerksbetrieb: Ein Betrieb mit 12 Mitarbeitenden nutzt einen KI-Schreibassistenten für Angebote und eine automatisierte Terminvereinbarung auf der Website. Der Inhaber startet mit einem selbst erstellten Dokumentationsbogen – und kommt nach zwei Stunden ins Stocken, weil unklar ist, ob das Terminbuchungstool als „KI-System“ im Sinne des AI Acts gilt. Eine externe Einschätzung dauert in diesem Fall etwa einen halben Tag und gibt sofortige Rechtssicherheit.

Szenario 2 – Steuerberatungskanzlei: Eine Kanzlei mit 20 Beschäftigten setzt ein KI-Tool für die Belegprüfung ein. Nach der externen Bestandsaufnahme stellt sich heraus, dass das System unter „Begrenzte Risiko“-Kategorie fällt – aber die Transparenzpflicht gegenüber Mandanten noch nicht erfüllt ist. Eine schlichte Ergänzung in den AGB und ein dokumentiertes Mitarbeiterbriefing lösen das Problem.

Szenario 3 – Produktionsbetrieb: Ein mittelständischer Betrieb mit 60 Mitarbeitenden nutzt KI-gestützte Qualitätskontrolle in der Fertigung. Hier greift die Hochrisiko-Klassifikation – und Eigenregie würde an der technischen Dokumentationspflicht scheitern. Die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen IT-Partner ist hier keine Option, sondern Notwendigkeit.

Das gemeinsame Muster: Betriebe überschätzen häufig den Aufwand für einfache Fälle – und unterschätzen ihn bei komplexeren Anwendungen. Laut Destatis 2024 nutzen 17 Prozent der kleinen Unternehmen bereits KI-Systeme, oft ohne es als solche zu kategorisieren. Die solide IT-Infrastruktur für den digitalen Wandel – TTG GmbH bildet dabei die Grundlage, auf der EU AI Act KMU Compliance überhaupt erst sauber aufgebaut werden kann.

Die Faustregel aus der Praxis: Wer Compliance als einmalige Aufgabe betrachtet, scheitert. Wer sie als fortlaufenden Prozess versteht – ähnlich wie Datenschutz – der gewinnt.

Kosten und Aufwand: Was Sie für EU AI Act KMU Compliance wirklich einplanen müssen

Die Frage nach den Kosten ist berechtigt – und verdient eine ehrliche Antwort. EU AI Act KMU Compliance ist kein Millionenprojekt. Für die meisten kleinen und mittleren Betriebe bewegen sich die realen Aufwände in überschaubarem Rahmen, wenn der Ansatz strukturiert ist.

Eigenregie – realistischer Aufwand:

  • Bestandsaufnahme aller KI-Systeme: 1–2 Arbeitstage intern
  • Risikoklassifizierung (mit Hilfe öffentlicher Leitfäden): 0,5–1 Tag
  • Dokumentation und Schulungsnachweis: 1 Tag
  • Laufendes Monitoring: ca. 2–4 Stunden pro Quartal

Gesamtaufwand bei einfachen Anwendungsfällen: etwa 3–4 Arbeitstage im ersten Jahr. Das ist machbar – vorausgesetzt, die Klassifizierung ist eindeutig und das interne Know-how reicht aus.

Extern begleitet – realistischer Kostenrahmen:

  • Erstberatung und Bestandsaufnahme: je nach Betriebsgröße ab ca. einem halben Tag Beratungszeit
  • Vollständiges Compliance-Paket für einen Betrieb mit 5–10 KI-Tools: erfahrungsgemäß zwischen 1.500 und 4.000 Euro einmalig
  • Laufende Betreuung und Updates: monatliche Pauschale oder Einzelabruf je nach Bedarf
  • Fördermittel können einen erheblichen Teil der Kosten abdecken – das BMWK – Digitalisierung im Mittelstand bietet aktuelle Informationen zu Bundesprogrammen

Zum Vergleich: Die maximalen Bußgelder bei Verstößen gegen den EU AI Act belaufen sich auf bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des Jahresumsatzes (EU AI Act, VO 2024/1689). Gemessen daran ist professionelle Begleitung eine günstige Versicherung.

Ein konkretes Beispiel aus der Region: Für einen Maschinenbauer aus Duderstadt lässt sich die Compliance-Grundstruktur in vielen Fällen auf bestehenden IT-Sicherheitsprozessen aufbauen – was Kosten und Zeitaufwand deutlich reduziert. Als ISO/IEC 27001-zertifizierter IT-Partner mit über 25 Jahren Erfahrung in Nordthüringen und dem Eichsfeld kann die TTG GmbH dabei auf bewährte Strukturen zurückgreifen, die nicht bei null beginnen. Lassen Sie sich zeigen, was in Ihrem Betrieb bereits vorhanden ist – und was noch fehlt: Digitalisierungs-Potenzial prüfen lassen.

Unsere Einschätzung: Welcher Weg zu welchem Betrieb passt – und warum

Nach allem, was wir in der Praxis erleben: Die meisten kleinen Betriebe können mit einem hybriden Ansatz gut fahren – eine professionelle Erstbestandsaufnahme, um Klarheit über die eigenen KI-Systeme und deren Risikoklassen zu gewinnen, gefolgt von eigenständiger Pflege für einfache Fälle. Das ist weder teuer noch zeitintensiv.

Wer allerdings KI in personalrelevanten, medizinischen oder sicherheitskritischen Prozessen einsetzt, sollte nicht auf Eigenregie setzen. Hier ist das Risiko zu hoch – und die technische Dokumentationspflicht zu komplex, um sie ohne Fachkenntnis belastbar zu erfüllen.

Unsere klare Einschätzung nach Betriebstyp:

  • Bis 10 Mitarbeitende, 1–2 KI-Tools der Minimalrisiko-Kategorie: Eigenregie mit strukturierter Checkliste, ggf. kurze externe Einschätzung zur Absicherung
  • 10–50 Mitarbeitende, gemischter KI-Einsatz: Externer Einstieg zur Klassifizierung, dann hybrider Betrieb – das ist das häufigste und sinnvollste Modell
  • Ab 50 Mitarbeitende oder KI in Hochrisikobereichen: Vollständige externe Begleitung, laufendes Monitoring, strukturierte Schulungen

Was uns in vielen Gesprächen auffällt: Die größte Gefahr ist nicht die Strafe, sondern die Nicht-Entscheidung. 53 Prozent der Unternehmen nennen rechtliche Unsicherheit als Hemmnis (Bitkom Research 2025) – aber Unsicherheit rechtfertigt kein Abwarten, denn die Fristen laufen. EU AI Act KMU Compliance ist kein Bürokratiemonster, wenn man früh anfängt und strukturiert vorgeht.

Ein letzter Hinweis: Der AI Act ist kein abgeschlossenes Regelwerk. Die EU-Kommission wird laufend Leitlinien und technische Standards ergänzen. Wer jetzt einen soliden Grundstein legt – Inventar, Klassifizierung, Dokumentation, Schulung – der ist für kommende Anpassungen gewappnet. Wer wartet, holt zweimal auf. Nutzen Sie die Informationsangebote der Bitkom-Initiative zum EU AI Act, um den Überblick zu behalten – und wenden Sie sich an einen Partner, der Ihren Betrieb kennt.

Ihre Checkliste: So starten Sie jetzt

  1. Inventarisieren Sie alle KI-Systeme in Ihrem Betrieb – vom Chatbot auf der Website bis zum automatisierten Analysetool in der Buchhaltung.
  2. Klassifizieren Sie jeden KI-Einsatz nach den vier Risikokategorien des EU AI Acts (Minimal, Begrenzt, Hochrisiko, Verboten) – nutzen Sie dafür die offiziellen IHK- oder Bitkom-Leitfäden.
  3. Dokumentieren Sie schriftlich, welche Mitarbeitenden welche KI-Systeme nutzen und welchen Zweck sie erfüllen – das ist die Grundlage für Artikel-4-Compliance.
  4. Schulen Sie Ihr Team: Halten Sie ein dokumentiertes Briefing ab, das den Zweck, die Grenzen und den verantwortungsvollen Umgang mit genutzten KI-Systemen erläutert.
  5. Prüfen Sie die Datenschutzkonformität jedes KI-Tools: Werden Daten an externe Server übertragen? Gibt es eine Auftragsverarbeitungsvereinbarung mit dem Anbieter?
  6. Informieren Sie sich über relevante Förderprogramme für Compliance- und Digitalisierungsprojekte – etwa über das BMWK oder den Freistaat Thüringen.
  7. Legen Sie einen Termin für eine jährliche Überprüfung fest: KI-Systeme ändern sich, neue Tools kommen hinzu – Compliance ist kein Einmalprojekt.
  8. Sprechen Sie mit einem erfahrenen IT-Partner, wenn Sie unsicher sind, welcher Risikoklasse Ihre KI-Anwendungen zuzuordnen sind – eine kurze externe Einschätzung schafft Rechtssicherheit.

Häufig gestellte Fragen

Gilt der EU AI Act auch für meinen kleinen Betrieb mit nur wenigen Mitarbeitenden?

Ja, der EU AI Act gilt für alle Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen – unabhängig von der Größe. Allerdings ist der Aufwand für kleine Betriebe mit wenigen, einfachen KI-Anwendungen überschaubar. Die Kompetenzpflicht nach Artikel 4 gilt seit Februar 2025 und erfordert im einfachsten Fall nur ein dokumentiertes internes Mitarbeiterbriefing. Wichtig ist, zuerst zu prüfen, welche Risikokategorie Ihre KI-Tools haben – das bestimmt den tatsächlichen Aufwand.

Welche Frist gilt für die vollständige EU AI Act Compliance?

Das zentrale Datum ist der 2. August 2026: Bis dahin müssen die meisten Bestimmungen des EU AI Acts vollständig umgesetzt sein, inklusive technischer Dokumentation und Konformitätsbewertung für Hochrisiko-KI. Einige Pflichten – wie die Kompetenzpflicht – gelten bereits seit Februar 2025. Je früher Sie starten, desto weniger Zeitdruck entsteht. Wer jetzt beginnt, hat ausreichend Vorlaufzeit für eine strukturierte Umsetzung ohne Stress.

Was passiert, wenn ich nichts tue – sind die Bußgelder wirklich realistisch für kleine Betriebe?

Die maximalen Bußgelder von 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des Jahresumsatzes richten sich primär an Hersteller und Anbieter von Hochrisiko-KI. Für kleine Betriebe, die lediglich KI-Tools nutzen, sind die Risiken geringer – aber nicht null. Verstöße gegen Transparenzpflichten oder Schulungsanforderungen können ebenfalls sanktioniert werden. Entscheidender als das Bußgeld ist der Reputationsschaden und das Haftungsrisiko im Schadensfall.

Überschneidet sich der EU AI Act mit der DSGVO – oder ist das eine separate Baustelle?

Beides überschneidet sich erheblich: Viele KI-Systeme verarbeiten personenbezogene Daten – damit greifen sowohl DSGVO als auch EU AI Act. Wer seine DSGVO-Dokumentation bereits gepflegt hat, hat einen wichtigen Grundstein für AI-Act-Compliance gelegt. Auftragsverarbeitungsverträge, Datenschutzfolgeabschätzungen und die Übersicht über eingesetzte Tools sind für beide Regelwerke relevant. Eine gute Compliance-Strategie deckt beides ab.

Lohnt sich externe Begleitung für Compliance wirklich – oder ist das nur unnötiger Aufwand?

Das hängt vom Einzelfall ab. Für Betriebe mit ausschließlich einfachen KI-Tools kann Eigenregie ausreichen. Sobald aber mehrere Systeme, unklare Risikoklassen oder personenbezogene Datenverarbeitung im Spiel sind, bringt externe Begleitung echten Mehrwert: Rechtssicherheit, strukturierte Dokumentation und Entlastung des Teams. Die TTG GmbH empfiehlt in der Regel eine kostengünstige Erstbestandsaufnahme – allein das gibt vielen Betrieben die nötige Klarheit.

Über den Autor
Martin Trappe ist Geschäftsführer der TTG Daten- und Bürosysteme GmbH in Dingelstädt. Mit über 25 Jahren Erfahrung im IT-Mittelstand betreut er kleine und mittelständische Unternehmen in Nordthüringen, Eichsfeld und Südniedersachsen. Die TTG GmbH ist ISO/IEC 27001 zertifiziert – dem höchsten Standard für Informationssicherheit.

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