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KI und Automatisierung einführen – die 8-Punkte-Checkliste für Ihren Betrieb

Inhaltsverzeichnis

Veröffentlicht: 11. September 2026 · Lesezeit: ca. 15 Minuten

Im September schloss Microsoft beim Patchday fast 1.000 Sicherheitslücken auf einen Schlag – darunter zwei bereits aktiv ausgenutzte Schwachstellen (heise Security berichtete). Gleichzeitig brachen die ausgerollten Updates RDP-Verbindungen zu Windows-Servern – was Betriebe mit Homeoffice-Anbindung oder Remote-Zugriffen unmittelbar traf. Wer glaubt, IT-Themen könnten noch auf nächsten Monat warten, erlebt gerade das Gegenteil.

Diese Meldungen zeigen, was auch bei KI und Automatisierung gilt: Digitale Prozesse sind keine Set-and-forget-Angelegenheit. Sie brauchen Struktur, Kontrolle und klare Verantwortlichkeiten – bevor ein Tool produktiv geht, nicht danach. Genau dabei hilft diese Checkliste.

KI und Automatisierung sind längst kein Thema mehr, das nur Konzerne betrifft. Immer mehr kleine und mittlere Betriebe setzen entsprechende Tools ein – für Angebotsprozesse, Kundenanfragen oder interne Abläufe. Doch ohne strukturierte Vorbereitung entstehen schnell blinde Flecken: Datenschutzlücken, ungeklärte Verantwortlichkeiten oder Compliance-Risiken durch den EU AI Act, dessen Übergangsfrist im August 2026 auslief.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Nur 17 % der kleinen Unternehmen in Deutschland nutzen KI überhaupt, während 53 % fehlende Kompetenz als größtes Hemmnis nennen (Bitkom). Dabei ist das Problem meist nicht die Technologie – sondern das Fehlen eines klaren Rahmens, bevor das erste Tool freigeschaltet wird. Wer diesen Rahmen nicht setzt, riskiert nicht nur Effizienzeinbußen, sondern bei Verstößen gegen den AI Act auch empfindliche Bußgelder.

Diese Checkliste führt Sie durch acht Prüfpunkte: von der organisatorischen Grundlage über technische Mindestanforderungen und Datenschutz bis zu Dokumentation und laufender Kontrolle. Am Ende wissen Sie, wo Ihr Betrieb heute steht – und was als nächstes zu tun ist.

KennzahlWertQuelle
Anteil kleiner Unternehmen in Deutschland, die KI einsetzen17 %Destatis IKT-Erhebung 2024
KMU ohne konkrete KI-Strategie43 %DMB & Salesforce, KI-Index Mittelstand
KMU, die fehlende Kompetenz als größtes KI-Hemmnis nennen53 %Bitkom, KI-Barometer
KMU, die Datenschutz-Unsicherheit als KI-Hemmnis nennen47 %Bitkom, KI-Barometer

Was wirklich auf dem Spiel steht – und warum diese Checkliste jetzt zählt

Was wirklich auf dem Spiel steht – und warum diese Checkliste jetzt zählt – KI und Automatisierung

Viele Betriebe nähern sich KI und Automatisierung so, wie man früher eine neue Maschine gekauft hat: ausprobieren, und wenn es nicht klappt, wieder einmotten. Das funktioniert bei digitalen Systemen nicht. Ein schlecht konfigurierter Chatbot, der Kundendaten verarbeitet, ohne als KI gekennzeichnet zu sein, verstößt seit August dieses Jahres gegen den EU AI Act – und das kann teuer werden. Verstöße gegen verbotene KI-Praktiken können bis zu 35 Millionen Euro oder 7 % des Jahresumsatzes kosten; für kleinere Betriebe gilt jeweils der niedrigere Betrag (RockLogic, August 2026).

Gleichzeitig zeigt die Praxis: Wer KI und Automatisierung ohne Bestandsaufnahme einführt, optimiert häufig die falschen Prozesse. Der Aufwand steckt dann nicht im Tool selbst, sondern in der nachträglichen Korrektur – sei es die fehlende Dokumentation für eine Betriebsprüfung oder die nicht durchdachte Schnittstelle zu einem Warenwirtschaftssystem.

Diese Checkliste ist kein Strategiepapier, sondern ein Arbeitsblatt. Sie hilft Ihnen, in einem strukturierten Durchlauf zu klären, ob Ihr Betrieb bereit für den nächsten Schritt ist – und wo noch Lücken bestehen. In der Digitalisierungsberatung der TTG GmbH erleben wir regelmäßig, dass Betriebe in Heilbad Heiligenstadt und Umgebung mit einem halbtägigen Prozessaudit mehr Klarheit gewinnen als mit monatelangen Tool-Evaluierungen.

  • Klären Sie vorab: Wer ist in Ihrem Betrieb verantwortlich für KI-Entscheidungen?
  • Notieren Sie alle digitalen Prozesse, die aktuell manuell und regelmäßig ablaufen.
  • Fragen Sie sich ehrlich: Haben Sie die Datenschutzfolgen Ihrer Tools geprüft?
  • Prüfen Sie, ob bereits ein KI-Tool im Einsatz ist – auch wenn es niemand so nennt.

Unserer Erfahrung nach unterschätzen die meisten Betriebe, wie viele KI-Funktionen bereits in Standardsoftware stecken – in Buchhaltungsprogrammen, in CRM-Systemen oder in Cloud-Diensten. Auch diese fallen unter den AI Act. Der erste Prüfpunkt beginnt also nicht mit einer Kaufentscheidung, sondern mit einer Bestandsaufnahme.

Prüfpunkte 1 und 2: Organisatorische Grundlagen schaffen

Prüfpunkt 1: Prozess-Inventur durchführen. Bevor ein einziges Tool freigeschaltet wird, sollten Sie wissen, welche Abläufe in Ihrem Betrieb wiederkehrend, regelbasiert und zeitintensiv sind. Das ist die Grundlage für sinnvollen Einsatz von KI und Automatisierung – nicht das Marketing eines Software-Anbieters. Ein strukturiertes Prozess-Audit kostet in der Regel einen bis zwei Arbeitstage und keinen einzigen Euro für externe Software.

Das Ziel: die 20 % Ihrer Prozesse identifizieren, die 80 % der möglichen Entlastung bringen. Typische Kandidaten in vielen Branchen sind Auftragserfassung, Eingangsrechnungsprüfung, Statusmeldungen an Kunden oder die Terminvergabe. Wer hingegen mit einem komplexen KI-Projekt startet, ohne diesen Schritt gemacht zu haben, investiert Energie in die falsche Stelle.

  • Erstellen Sie eine einfache Liste: Welche Aufgaben erledigen Sie oder Ihre Mitarbeiter täglich, wöchentlich, monatlich – und wie lange dauern sie?
  • Markieren Sie Aufgaben, die nach einem festen Schema ablaufen (gut automatisierbar) und solche, die Urteilsvermögen erfordern (weniger geeignet).
  • Priorisieren Sie nach Zeitaufwand mal Häufigkeit – das ergibt Ihr Potenzial-Ranking.

Prüfpunkt 2: Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten festlegen. KI und Automatisierung brauchen eine Person, die den Überblick behält – nicht zwingend einen IT-Spezialisten, aber jemanden, der Entscheidungen trifft, den Betrieb im Blick hat und Rückmeldungen aus dem Team einholt. Ohne diese Rolle versanden Projekte regelmäßig nach den ersten Wochen.

Aus der Praxis: Ein mittelständischer Transportbetrieb aus unserer Region hatte eine Disposition, die täglich drei Stunden mit manueller Tourenplanung verbrachte. Nach der Prozessaufnahme war klar: Automatisierungslösung zuerst hier, nicht bei der Buchhaltung. Das klingt aufwändig, ist es aber nicht – ein strukturierter Nachmittag reicht für die erste Übersicht. Für Fragen rund um Datensicherheit beim KI-Einsatz – TTG GmbH stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

  • Benennen Sie eine verantwortliche Person für KI-Projekte – auch wenn es zunächst nur eine Koordinationsrolle ist.
  • Definieren Sie, wer neue Tools freigeben darf und wer nicht.
  • Halten Sie die Zuständigkeiten schriftlich fest – ein einseitiges Dokument genügt.

Prüfpunkte 3 und 4: Technische Mindestanforderungen klären

Prüfpunkt 3: IT-Infrastruktur auf Tauglichkeit prüfen. KI und Automatisierung setzen voraus, dass Ihre bestehende IT-Landschaft das mitmacht. Das bedeutet nicht, dass Sie einen neuen Server brauchen – aber es bedeutet, dass Sie wissen sollten, wo Ihre Daten liegen, wie Ihre Systeme miteinander kommunizieren und ob Ihre Internetanbindung für cloudbasierte KI-Dienste ausreicht. Ein SaaS-Tool, das bei schlechter Verbindung ständig abbricht, schafft mehr Frust als Entlastung.

Prüfen Sie außerdem, ob Ihre Kernsysteme – etwa ERP, Warenwirtschaft oder Buchhaltungssoftware – über Schnittstellen (APIs) verfügen. Viele Automatisierungen scheitern nicht am KI-Modell, sondern daran, dass die Daten nicht sauber übergeben werden können. Das frühzeitig zu wissen spart erhebliche Kosten.

  • Inventarisieren Sie Ihre wichtigsten Software-Systeme und prüfen Sie, ob diese API-Schnittstellen anbieten.
  • Testen Sie Ihre Internetgeschwindigkeit und Verfügbarkeit – besonders wenn Sie standortübergreifend arbeiten.
  • Klären Sie, ob Ihre IT-Umgebung Cloud-fähig ist oder ob Anpassungen nötig sind.
  • Dokumentieren Sie alle eingesetzten Systeme mit Versionsnummer und Wartungsstatus.

Prüfpunkt 4: Einen einzigen Pilot-Use-Case definieren. Der häufigste Fehler ist nicht, zu langsam zu starten – sondern zu viel auf einmal anzugehen. Wählen Sie einen einzigen Anwendungsfall, führen Sie diesen parallel zum bestehenden Prozess ein, messen Sie das Ergebnis, und skalieren Sie erst danach. Einstiegskosten für SaaS-basierte Automatisierungslösungen beginnen bei rund 20 Euro im Monat – das ist kein Investitionsrisiko.

Geeignete Einstiegsprojekte sind: automatisiertes E-Mail-Routing nach Kategorie, ein KI-gestützter Chatbot für häufige Kundenanfragen oder die automatische Vorbefüllung von Angebotsformularen. Das BMWK – Digitalisierung im Mittelstand bietet dazu praktische Orientierungshilfen und Förderprogramme. Für Ihre ISO-konforme Einführung steht Ihnen die ISO/IEC 27001 zertifizierte TTG GmbH beratend zur Seite.

  • Entscheiden Sie sich für genau einen Pilot-Use-Case – und beginnen Sie nicht mit dem komplexesten.
  • Legen Sie vor dem Start fest, wann Sie den Pilot als Erfolg oder Misserfolg bewerten.
  • Planen Sie eine Laufzeit von vier bis acht Wochen für die Pilotphase.

Prüfpunkte 5 und 6: Sicherheit und Datenschutz von Anfang an mitdenken

Prüfpunkte 5 und 6: Sicherheit und Datenschutz von Anfang an mitdenken – TTG GmbH Dingelstädt

Prüfpunkt 5: Datenschutzfolgen konkret prüfen. Fast jedes KI-Tool verarbeitet Daten – die Frage ist, welche. 47 % der KMU nennen Datenschutz-Unsicherheit als Hemmnis beim KI-Einsatz (Bitkom). Das ist nachvollziehbar, aber kein Grund zum Stillstand. Es reicht eine klare Antwort auf drei Fragen: Welche Daten fließen in das Tool? Wo werden sie verarbeitet – in der EU oder außerhalb? Und ist die DSGVO-Konformität des Anbieters vertraglich geregelt?

Besondere Vorsicht gilt bei Personalakten, Kundendaten und Gesundheitsinformationen. Wer diese Daten in ein KI-System eingibt, ohne einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit dem Anbieter abgeschlossen zu haben, handelt rechtswidrig – unabhängig vom AI Act. Das BSI gibt dazu klare Orientierung: BSI – KI sicher einsetzen.

  • Listen Sie alle KI-Tools auf, die in Ihrem Betrieb genutzt werden – auch informell durch einzelne Mitarbeiter.
  • Prüfen Sie für jedes Tool: Gibt es einen AVV? Wo liegen die Server?
  • Klären Sie, welche Datenkategorien verarbeitet werden, und passen Sie die Nutzung entsprechend an.
  • Dokumentieren Sie Ihre Datenschutz-Prüfung – das schützt Sie im Ernstfall.

Prüfpunkt 6: AI-Act-Compliance herstellen. Seit August ist die Übergangsfrist für den Großteil der AI-Act-Bestimmungen abgelaufen. Auch KMU, die KI-Tools lediglich als Anwender nutzen, sind betroffen – etwa beim Einsatz in Recruiting, Buchhaltung oder Kundenservice. Die Pflicht zur Transparenz ist dabei besonders konkret: Wer einen Chatbot einsetzt, der mit Kunden oder Interessenten kommuniziert, muss diesen klar als KI kennzeichnen (PrivacyBee, August 2026). Für Ihre Förderberatung zu Digitalisierungsprojekten steht Ihnen die Förderberatung für Digitalisierungsprojekte – TTG GmbH zur Verfügung.

  • Prüfen Sie, welche Ihrer KI-Tools direkt mit Kunden oder Mitarbeitern interagieren.
  • Stellen Sie sicher, dass Chatbots und KI-Assistenten als solche gekennzeichnet sind.
  • Klassifizieren Sie Ihre Tools nach Risikoklasse – bei Unsicherheit rechtliche Beratung einholen.

Prüfpunkte 7 und 8: Erfolgskontrolle und Dokumentation sicherstellen

Prüfpunkt 7: KPIs vor dem Go-live definieren. Wer den Erfolg von KI und Automatisierung nicht misst, weiß nach drei Monaten nicht, ob sich der Einsatz gelohnt hat. Das führt zu zwei gleichermaßen teuren Fehlern: Projekte, die keinen Nutzen bringen, laufen weiter – und Projekte mit echtem Potenzial werden vorschnell eingestellt, weil die Wirkung nicht sichtbar gemacht wurde.

Geeignete KPIs sind: Zeiteinsparung pro Vorgang (in Minuten), Fehlerquote vor und nach der Automatisierung, Durchlaufzeit eines Prozesses, Anzahl manuell bearbeiteter Ausnahmen. Diese Zahlen müssen vor dem Start erhoben werden – nicht danach. Wer erst im Nachhinein versucht, eine Baseline zu rekonstruieren, hat kaum belastbare Vergleichswerte.

  • Definieren Sie für jeden Pilot-Use-Case mindestens zwei messbare Kennzahlen.
  • Erheben Sie die Ist-Werte vor dem Go-live – auch wenn es nur eine grobe Schätzung ist.
  • Legen Sie einen konkreten Bewertungstermin fest: z. B. vier Wochen nach dem Start.
  • Teilen Sie die Ergebnisse mit dem Team – Transparenz fördert die Akzeptanz.

Prüfpunkt 8: Mitarbeiter einbinden und Kompetenzlücken schließen. 53 % der KMU nennen fehlende Kompetenz als ihr größtes Hemmnis beim Einsatz von KI und Automatisierung. Das Problem ist real – aber es lässt sich mit überschaubarem Aufwand angehen. Ein halbtägiger interner Workshop, bevor das erste Tool eingeführt wird, verhindert Frustration, Fehlbedienung und die Entstehung einer Parallel-IT, bei der Mitarbeiter heimlich ihre eigenen Tools nutzen.

Die passende IT-Infrastruktur für den digitalen Wandel – TTG GmbH ist eine Grundvoraussetzung – aber ohne Mitarbeiter, die diese Infrastruktur verstehen und annehmen, bleibt jede Investition wirkungslos. Unserer Einschätzung nach ist der Schulungsschritt in der Praxis derjenige, der am häufigsten übersprungen wird – mit vorhersehbaren Folgen.

  • Führen Sie vor der Tool-Einführung eine kurze Bedarfsanalyse durch: Was wissen Ihre Mitarbeiter bereits?
  • Planen Sie ein strukturiertes Einführungsformat – ein halber Tag reicht für den Einstieg.
  • Benennen Sie interne Ansprechpartner, die bei Fragen weiterhelfen können.
  • Überprüfen Sie nach vier Wochen, ob die Nutzung wie geplant stattfindet.

Was tun, wenn ein Punkt nicht erfüllt ist? Risiken priorisieren – nicht alles auf einmal

Nicht jede Lücke in dieser Checkliste hat dasselbe Gewicht. Wer feststellt, dass der AVV mit einem Cloud-Anbieter fehlt, muss das sofort angehen. Wer noch keine KPIs definiert hat, kann das in der kommenden Woche nachholen. Die Frage ist nicht, ob alles perfekt ist – sondern ob die kritischen Punkte gesichert sind.

Eine einfache Priorisierungslogik hilft dabei:

SituationHandlungsbedarfWarum
Chatbot ohne KI-Kennzeichnung im EinsatzSofort – diese WocheTransparenzpflicht gilt ohne Übergangsfrist
Kein AVV mit KI-AnbieterSofort – diese WocheDSGVO-Verstoß, kein Ermessensspielraum
Keine KPIs für laufende ToolsInnerhalb von 30 TagenSteuerbarkeit fehlt, kein akutes Risiko
Kein Schulungsformat für MitarbeiterInnerhalb von 30 TagenFehlbedienung wahrscheinlich, aber korrigierbar
Keine Prozess-Inventur gemachtBeim nächsten ProjektEffizienzrisiko, kein Compliance-Thema

Ein Handwerksbetrieb aus unserer Region stellte bei einem solchen Durchlauf fest, dass ein KI-gestütztes Angebots-Tool bereits seit Monaten im Einsatz war – ohne dass der Inhaber davon wusste. Die Lösung war kein großes Projekt, sondern ein klares Gespräch und ein nachgereichter AVV. Manchmal reicht das.

Als ISO/IEC 27001-zertifizierter IT-Partner mit über 25 Jahren Erfahrung begleiten wir Betriebe genau in diesen Situationen: nicht mit Pauschalempfehlungen, sondern mit einem strukturierten Blick auf das, was wirklich relevant ist. Das Bitkom bietet dazu ergänzend einen hilfreichen Überblick zu KI im Mittelstand. Wenn Sie wissen möchten, wo Ihr Betrieb gerade steht, können Sie gern unverbindlich ein Digitalisierungs-Potenzial prüfen lassen.

Was sofort, was in 30 Tagen, was langfristig – eine klare Zeitleiste

KI und Automatisierung lassen sich nicht sinnvoll in einem einzigen Schritt umsetzen. Was hilft, ist eine ehrliche Einteilung nach Zeithorizont – damit nicht alles gleichzeitig auf dem Tisch liegt und nichts fertig wird.

Sofort (diese Woche): Compliance-kritische Punkte. Dazu zählen die Kennzeichnung von KI-Chatbots, das Nachholen fehlender Auftragsverarbeitungsverträge und die Bestandsaufnahme aller genutzten KI-Tools im Betrieb. Diese Schritte kosten kaum Zeit, schützen Sie aber vor erheblichen Risiken.

  • Alle genutzten KI-Tools inventarisieren – auch solche, die Mitarbeiter eigenständig nutzen.
  • AVV-Status aller Cloud- und KI-Anbieter prüfen und fehlende Verträge anfordern.
  • Chatbots und KI-Assistenten als solche kennzeichnen.

In 30 Tagen: Strukturelle Grundlagen legen. Dazu gehören die Prozess-Inventur, die Auswahl eines Pilot-Use-Cases, die Definition von KPIs und ein erstes Schulungsformat für Ihr Team. Das ist der Schritt, bei dem die meisten Betriebe steckenbleiben – weil er keine unmittelbare Dringlichkeit hat, aber die Grundlage für alles Weitere bildet.

  • Prozess-Audit durchführen und Automatisierungspotenziale identifizieren.
  • Pilot-Use-Case auswählen und Go-live-KPIs festlegen.
  • Mitarbeiter-Schulung planen und durchführen.

Langfristig (3–12 Monate): Skalierung und Weiterentwicklung. Wenn der Pilot funktioniert, können Sie weitere Prozesse angehen. Wenn er nicht funktioniert, wissen Sie dank Ihrer KPIs genau warum – und können gezielt nachjustieren. KI und Automatisierung sind kein Einmalprojekt, sondern ein fortlaufender Prozess, der regelmäßige Überprüfung braucht.

  • Pilot auswerten und Entscheidung über Skalierung treffen.
  • Weitere Automatisierungspotenziale schrittweise erschließen.
  • Jährliche Überprüfung: Welche Tools sind noch sinnvoll? Welche erzeugen nur Kosten?

Häufige Stolperfallen bei der Umsetzung – und wie Sie ihnen ausweichen

Aus der Beratungspraxis kennen wir eine Reihe von Mustern, die sich bei der Einführung von KI und Automatisierung immer wieder zeigen. Sie entstehen nicht aus Fahrlässigkeit, sondern aus dem Druck des Alltags. Wer sie kennt, kann ihnen bewusst ausweichen.

Stolperfalle 1: Das Tool läuft, die Daten nicht. Viele Automatisierungen scheitern nicht an der KI selbst, sondern an inkonsistenten oder unvollständigen Daten. Ein KI-System, das mit falschen Eingangsdaten arbeitet, produziert schnelle Ergebnisse – aber die falschen. Lösung: Datenqualität prüfen, bevor das Tool gestartet wird.

Stolperfalle 2: Der Pilot wird nie beendet. Aus dem vierttägigen Test wird ein viermonatiger Dauerbetrieb ohne Entscheidung. Das bindet Ressourcen und verhindert Skalierung. Setzen Sie von Anfang an ein konkretes Enddatum für die Pilotphase.

Stolperfalle 3: Mitarbeiter werden übergangen. Wer KI und Automatisierung einführt, ohne das Team einzubinden, riskiert aktiven oder passiven Widerstand. Das Ergebnis: Das Tool wird formal genutzt, aber nicht wirklich eingesetzt. Binden Sie die betroffenen Mitarbeiter früh ein – sie kennen die Prozesse oft besser als die Führungsebene.

Stolperfalle 4: Zu viele Tools gleichzeitig. Drei Pilotprojekte parallel starten mag ambitioniert wirken – führt aber meist dazu, dass keines davon ordentlich betrieben wird. Weniger ist mehr: Ein abgeschlossener Pilot liefert mehr Lernerfahrung als drei halbfertige.

  • Datenqualität vor Tool-Einführung prüfen – nicht danach.
  • Pilotphasen mit festem Enddatum und Bewertungstermin planen.
  • Mitarbeiter schon in der Konzeptphase einbinden, nicht erst bei der Einführung.
  • Maximal ein bis zwei Pilotprojekte gleichzeitig laufen lassen.
  • Ergebnisse schriftlich festhalten – das schützt bei internen Diskussionen und externen Prüfungen.

KI und Automatisierung sind kein Selbstläufer – aber mit der richtigen Vorbereitung auch kein Großprojekt. Wer die Stolperfallen kennt und die Checkliste durcharbeitet, ist besser aufgestellt als die meisten Wettbewerber.

Ihre Checkliste: So starten Sie jetzt

  1. Inventarisieren Sie alle KI-Tools, die in Ihrem Betrieb genutzt werden – auch solche, die Mitarbeiter eigenständig und informell einsetzen.
  2. Prüfen Sie für jeden KI-Anbieter, ob ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) vorliegt und wo die Daten verarbeitet werden.
  3. Kennzeichnen Sie alle Chatbots und KI-Assistenten, die mit Kunden oder Interessenten kommunizieren, klar als KI – diese Transparenzpflicht gilt ohne Ausnahme.
  4. Führen Sie eine Prozess-Inventur durch: Welche Abläufe sind wiederkehrend, regelbasiert und zeitintensiv – und damit reif für Automatisierung?
  5. Definieren Sie einen einzigen Pilot-Use-Case und legen Sie vor dem Start mindestens zwei messbare KPIs fest (z. B. Zeiteinsparung, Fehlerquote).
  6. Benennen Sie eine verantwortliche Person im Betrieb, die KI-Projekte koordiniert und Entscheidungen trifft.
  7. Planen Sie ein Schulungsformat für Ihr Team – ein halbtägiger Workshop vor der Tool-Einführung reicht für den Einstieg.
  8. Dokumentieren Sie alle Schritte schriftlich: Prozessaufnahme, Datenschutz-Prüfung, Pilot-Ergebnisse – das schützt Sie bei Betriebsprüfungen und rechtlichen Fragen.

Häufig gestellte Fragen

Wir sind ein kleiner Betrieb mit zehn Mitarbeitern – gilt der EU AI Act für uns überhaupt?

Ja. Der EU AI Act gilt für alle Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen – unabhängig von der Größe. Auch wer lediglich einen KI-Chatbot eines Drittanbieters nutzt, ist als sogenannter „Anwender“ betroffen. Die Transparenzpflicht für Chatbots gilt ohne Übergangsfrist. Für KMU greift bei Verstößen jeweils der niedrigere Betrag aus dem Bußgeldrahmen – aber ein Risiko bleibt es trotzdem. Eine kurze Bestandsaufnahme Ihrer genutzten Tools ist der erste sinnvolle Schritt.

Was kostet die Einführung von KI und Automatisierung – und gibt es Förderung?

Einstiegslösungen sind günstiger als viele erwarten: SaaS-basierte Automatisierungstools beginnen bei etwa 20 Euro im Monat. Der größere Aufwand liegt in der Vorbereitung – Prozessanalyse, Datenschutzprüfung, Schulung. Für Digitalisierungsprojekte gibt es Fördermöglichkeiten auf Bundes- und Landesebene, etwa über das BAFA oder die Thüringer Aufbaubank. Eine Förderberatung lohnt sich, bevor Sie investieren.

Wie lange dauert es, bis KI und Automatisierung im Betrieb spürbar wirken?

Bei einem klar definierten Pilot-Use-Case sind erste messbare Ergebnisse meist nach vier bis acht Wochen sichtbar. Entscheidend ist, dass KPIs vor dem Start festgelegt werden – sonst lässt sich der Nutzen kaum belegen. Komplexere Projekte mit mehreren Systemen und Schulungsbedarf brauchen realistisch drei bis sechs Monate, bis der Betrieb stabil läuft. Wer zu viel auf einmal angeht, wartet länger.

Wir haben Bedenken, dass Kundendaten in KI-Systeme fließen – wie gehen wir damit um?

Das ist ein berechtigter Punkt. Prüfen Sie zunächst, welche Daten tatsächlich in das jeweilige Tool übertragen werden – oft ist es weniger als befürchtet. Entscheidend ist der Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter und der Serverstandort. Wer sensible Kundendaten oder Personalakten verarbeitet, sollte das mit einem Datenschutzbeauftragten abstimmen. In vielen Fällen lässt sich die Datenmenge auch technisch begrenzen, ohne den Nutzen des Tools zu verlieren.

Müssen wir wirklich einen externen IT-Partner einschalten, oder können wir das selbst machen?

Viele Schritte dieser Checkliste lassen sich intern umsetzen: Prozessaufnahme, KPI-Definition, erste Schulungen. Wo externe Unterstützung sinnvoll ist: bei der technischen Anbindung an bestehende Systeme, bei der Datenschutz- und AI-Act-Prüfung sowie bei der Infrastrukturfrage. Die TTG GmbH begleitet Betriebe genau dort – ohne unnötige Abhängigkeiten zu schaffen, sondern mit dem Ziel, dass Sie eigenständig weiterarbeiten können.

Über den Autor
Martin Trappe ist Geschäftsführer der TTG Daten- und Bürosysteme GmbH in Dingelstädt. Mit über 25 Jahren Erfahrung im IT-Mittelstand betreut er kleine und mittelständische Unternehmen in Nordthüringen, Eichsfeld und Südniedersachsen. Die TTG GmbH ist ISO/IEC 27001 zertifiziert – dem höchsten Standard für Informationssicherheit.

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