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Exchange Sicherheitslücken auf eigenen Servern: Was Sie jetzt wissen und tun müssen

Inhaltsverzeichnis

Veröffentlicht: 31. August 2026 · Lesezeit: ca. 14 Minuten

Wann haben Sie zuletzt geprüft, ob Ihr Exchange-Server noch mit aktuellen Sicherheitspatches versorgt wird? Und wissen Sie sicher, ob Ihr System überhaupt noch unter aktivem Microsoft-Support steht?

Viele Geschäftsführer antworten auf diese Fragen mit einem ehrlichen „Ich glaube schon“ – und genau das ist das Problem. Denn „ich glaube schon“ ist keine Antwort, die im Ernstfall zählt. Exchange-Server laufen oft jahrelang zuverlässig im Hintergrund, werden dabei aber immer seltener systematisch auf Sicherheitslücken geprüft. Das Vertrauen in die einmal aufgesetzte Infrastruktur ist verständlich – aber inzwischen gefährlich.

Dieser Artikel gibt Ihnen konkrete Antworten auf die Fragen, die wir derzeit am häufigsten von Unternehmern hören – klar, vollständig und ohne unnötige Fachsprache.

Die Exchange Sicherheitslücke On-Premises ist derzeit eines der drängendsten IT-Sicherheitsthemen für Unternehmen mit eigenem Mail-Server. Aktuelle Daten des BSI und CERT-Bund belegen: Rund 85 % der öffentlich erreichbaren On-Premises-Exchange-Server in Deutschland sind durch eine bereits öffentlich bekannte Schwachstelle angreifbar – und für CVE-2026-62911 existiert sogar ein fertiger Exploit-Code, der eine vollständige Serverübernahme ohne vorherige Anmeldung ermöglicht.

Für Unternehmen, die ihren Exchange-Server selbst betreiben, ist die Lage ernst. Exchange 2016 und 2019 sind seit Oktober 2025 aus dem regulären Microsoft-Support gefallen. Wer seitdem nicht auf das kostenpflichtige Extended Security Update-Programm gewechselt oder migriert hat, empfängt keine automatischen Sicherheitsupdates mehr – und ist damit schutzlos gegenüber neuen Angriffswegen.

In diesem Artikel beantworten wir die fünf Fragen, die Inhaber und Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen derzeit am häufigsten stellen: Was genau ist passiert, wie groß ist das Risiko wirklich, was kostet eine Absicherung, welche DSGVO-Pflichten greifen – und ob Cloud oder Weiterbetrieb die bessere Wahl ist.

KennzahlWertQuelle
On-Premises-Exchange-Server in Deutschland, die für CVE-2026-62911 angreifbar sindca. 85 %heise Security / BSI-CERT-Bund, Aug. 2026
Öffentlich erreichbare Exchange-Server in Deutschland mit veralteten Versionen oder fehlendem Patch-Levelca. 37 % von 45.000 ServernBSI Cybersicherheitswarnung 2024
Bekannte ESU-Patch-Installationen auf Exchange-Servern in Deutschland (nach EOL Exchange 2016/2019)Lediglich 9 Serverheise Security / BSI-CERT-Bund, Aug. 2026
In Deutschland durch kritische Exchange-Schwachstellen verwundbare Server (Mindestanzahl)mind. 17.000 + vergleichbare DunkelzifferBSI Pressemitteilung, März 2024

Warum Exchange auf eigenen Servern gerade so viele Fragen aufwirft

Warum Exchange auf eigenen Servern gerade so viele Fragen aufwirft – Exchange Sicherheitslücke On-Premises

Die Exchange Sicherheitslücke On-Premises ist kein einzelnes Ereignis, sondern das Ergebnis einer jahrelang gewachsenen Problemlage. Microsoft Exchange ist in Tausenden von Unternehmen das Rückgrat der internen Kommunikation – und genau deshalb ist es ein bevorzugtes Angriffsziel. Viele Betriebe haben ihren Server vor Jahren eingerichtet, er läuft stabil, und niemand hat seitdem systematisch geprüft, ob er noch sicher ist.

Hinzu kommt: Seit Oktober 2025 läuft Exchange 2016 und Exchange 2019 ohne regulären Microsoft-Support. Neue Sicherheitslücken werden durch Microsoft nicht mehr automatisch geschlossen – es sei denn, man zahlt für das Extended Security Update-Programm (ESU). Dass deutschlandweit nachweislich nur neun Exchange-Server diesen ESU-Patch installiert haben, zeigt, wie wenig das in der Praxis umgesetzt wird.

Gleichzeitig werden Angriffswerkzeuge schneller verfügbar. Nachdem Microsoft einen Patch veröffentlicht, analysieren Angreifer die Änderungen und entwickeln innerhalb weniger Tage funktionsfähige Exploits. Beim August-Patchday 2026 wurden unter anderem CVE-2026-65813 (Rechteausweitung) sowie mehrere weitere Exchange-Lücken in Server SE, 2019 und 2016 geschlossen – wer dieses Update nicht sofort einspielt, riskiert, dass sein System in diesem Fenster kompromittiert wird.

Wir erleben bei Unternehmen aus unserer Region immer wieder dieselben Unsicherheiten – etwa in Duderstadt, wo ein Handwerksbetrieb seinen Exchange-Server seit Jahren ohne dediziertes IT-Personal betreibt und erst durch eine externe Überprüfung erfahren hat, dass er seit Monaten kein Sicherheitsupdate mehr erhalten hatte. Das ist kein Einzelfall.

Als ISO/IEC 27001 zertifiziertes IT-Systemhaus – TTG GmbH sehen wir in der Beratung täglich, dass die Fragen nicht mangels Interesse unbeantwortet bleiben, sondern weil verlässliche, allgemeinverständliche Informationen fehlen. Genau das soll dieser Artikel ändern.

  • Klären Sie, welche Exchange-Version bei Ihnen im Einsatz ist (Exchange 2016, 2019 oder SE).
  • Prüfen Sie, wann zuletzt ein Cumulative Update oder Sicherheitspatch eingespielt wurde.
  • Stellen Sie fest, ob Ihr Server über das Internet erreichbar ist (OWA, ActiveSync, Autodiscover).
  • Fragen Sie Ihren IT-Dienstleister, ob ein ESU-Vertrag besteht oder ob Sie noch unter regulärem Support laufen.

Bin ich wirklich betroffen? – Die häufigste Frage ehrlich beantwortet

Die meisten Geschäftsführer, die sich an uns wenden, stellen zuerst diese Frage – und die ehrliche Antwort lautet: Wenn Sie Exchange 2016 oder 2019 betreiben und seit Oktober 2025 keine ESU-Patches installiert haben, sind Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit betroffen. Die Exchange Sicherheitslücke On-Premises trifft nicht nur nachlässige Betriebe, sondern viele Unternehmen, die schlicht nicht wussten, dass ihr Server aus dem Support gefallen ist.

Das BSI hat für Deutschland festgestellt, dass rund 37 % der öffentlich erreichbaren Exchange-Server veraltete Versionen oder einen rückständigen Patch-Level aufweisen. Dabei ist die eigentliche Dunkelziffer – also Server, die nicht direkt von außen sichtbar, aber intern veraltet sind – vermutlich deutlich größer.

Ob Ihr System konkret angreifbar ist, lässt sich mit wenigen gezielten Prüfschritten klären:

  • Melden Sie sich an der Exchange Admin Console an und prüfen Sie unter „Server“ die installierte Build-Nummer – gleichen Sie diese mit der BSI – IT-Grundschutz für Unternehmen und den offiziellen Microsoft-Patchständen ab.
  • Kontrollieren Sie, ob der Emergency Mitigation Service (EEMS) aktiv ist – er blockiert bekannte Angriffsmuster automatisch als Übergangslösung.
  • Prüfen Sie, ob OWA (Outlook Web Access) ohne VPN oder vorgelagerte Schutzschicht direkt aus dem Internet erreichbar ist – das ist eines der größten Einfallstore.
  • Lassen Sie einen externen Portscan oder Schwachstellenscan durchführen, um die tatsächliche Internetexposition zu messen.

Ein weiterer Punkt, den viele unterschätzen: Auch wenn Ihr Exchange-Server selbst aktuell gepatcht ist, kann die Exchange Sicherheitslücke On-Premises über Drittkomponenten ausgenutzt werden – veraltete Antiviruslösungen, ungesicherte Konnektoren oder nicht aktualisierte hybride Konfigurationen sind typische Schwachpunkte.

Die IT-Sicherheitslösungen der TTG GmbH umfassen unter anderem strukturierte Exchange-Sicherheitsaudits, bei denen wir genau diesen Prüfprozess systematisch durchführen – mit einem abschließenden Bericht, der auch ohne IT-Vorkenntnisse verständlich ist.

Was passiert technisch bei einem Angriff auf meinen Exchange-Server?

Technische Erklärungen zu Exchange-Schwachstellen klingen oft abschreckend komplex. Dabei lässt sich das Wesentliche gut verständlich erklären – und das Verstehen hilft bei der richtigen Priorisierung.

Eine Exchange Sicherheitslücke On-Premises ermöglicht Angreifern je nach Schwachstellentyp unterschiedliche Zugriffswege. Bei CVE-2026-62911 beispielsweise handelt es sich um eine sogenannte „unauthentifizierte Remote Code Execution“: Der Angreifer muss sich nicht erst anmelden – er kann über eine manipulierte Anfrage an den Exchange-Server direkt Schadcode ausführen, ohne ein einziges Passwort zu kennen. Für diese Lücke existiert bereits ein öffentlich verfügbarer Proof-of-Concept-Exploit, was die Eintrittsschwelle für Angreifer drastisch senkt.

Was nach einem erfolgreichen Angriff passiert, folgt meist einem ähnlichen Muster:

  • Persistenz sichern: Der Angreifer installiert eine Hintertür, um auch nach einem Neustart Zugang zu behalten.
  • Rechteausweitung: Vom Exchange-Server aus werden Domain-Admin-Rechte im Active Directory erschlichen.
  • Lateral Movement: Der Angreifer bewegt sich von Exchange aus in andere Systeme des Netzwerks.
  • Datenabfluss oder Ransomware: E-Mails, Kontakte, Dokumente werden exfiltriert – oder das gesamte System wird verschlüsselt.

Besonders gefährlich wird es bei hybriden Setups: Wenn Ihr On-Premises-Exchange mit einem Microsoft-365-Tenant verbunden ist, kann ein kompromittierter Server als Sprungbrett in die Cloud-Umgebung genutzt werden. Angreifer missbrauchen dabei hybride Konnektoren und bestehende Vertrauensbeziehungen zwischen lokalem Active Directory und Azure AD. Dieses Szenario wird in vielen Sicherheitsartikeln nicht thematisiert – in der Praxis ist es aber einer der gefährlichsten Angriffspfade für Unternehmen mit gemischten Umgebungen.

Wenn Sie eine hybride Konfiguration betreiben, sollten Sie daher zusätzlich prüfen: Welche Berechtigungen hat das Hybrid-Konto? Wird der On-Premises-Connector regelmäßig überprüft? Haben Sie getrennte Admin-Konten für Cloud und lokal? Weiterführende technische Hintergründe zu Exchange-Angriffsvektoren finden Sie im BSI Lagebericht Cybersicherheit.

Für eine sichere IT-Infrastruktur für KMU – TTG GmbH ist die Überprüfung hybrider Exchange-Konfigurationen ein fester Bestandteil des Sicherheitsaudits.

Was kostet mich die Absicherung – und was kostet es, es nicht zu tun?

Was kostet mich die Absicherung – und was kostet es, es nicht zu tun? – TTG GmbH Dingelstädt

Die Kostenfrage ist berechtigt – und sie hat zwei Seiten, die häufig ungleich bewertet werden. Auf der einen Seite stehen konkrete Ausgaben für Patches, Migration oder externe Beratung. Auf der anderen Seite stehen die Kosten eines Sicherheitsvorfalls, der durch eine Exchange Sicherheitslücke On-Premises ausgelöst wurde – und die sind in der Regel um ein Vielfaches höher.

Pauschalpreise lassen sich seriös nicht nennen, weil die Ausgangslage je Unternehmen zu verschieden ist. Aber eine grobe Orientierung ist möglich:

SituationEmpfehlungTypischer Aufwand
Exchange 2019, aktuell gepatcht, Internetzugang über VPNAugust-Update einspielen, EEMS prüfen, Migration planenGering – wenige Stunden IT-Aufwand
Exchange 2019, kein Patch seit Monaten, OWA direkt im InternetSofort patchen, OWA hinter VPN/WAF, dringend Migration prüfenMittel – Tages- bis Wochenaufwand je nach Infrastruktur
Exchange 2016 ohne ESU, öffentlich erreichbarServer sofort vom Internet trennen, Exchange SE-Migration einleitenHoch – Migrationsprojekt, mehrere Wochen

Das ESU-Programm von Microsoft für Exchange 2016/2019 ist kostenpflichtig und pro Server lizenziert. Angesichts der Tatsache, dass deutschlandweit nur neun Server diesen Schutz installiert haben, scheint der Preis viele abzuschrecken. Unserer Einschätzung nach ist das ESU-Programm allenfalls eine Brückenlösung – wer dauerhaft sicher bleiben will, muss auf Exchange Server SE migrieren oder in die Cloud wechseln.

Die Kosten eines Ransomware-Angriffs durch eine ungepatchte Exchange Sicherheitslücke On-Premises liegen erfahrungsgemäß im fünf- bis sechsstelligen Bereich – inklusive Wiederherstellung, Ausfallzeiten und möglicher Bußgelder. Hinzu kommen Reputationsschäden, die sich kaum in Zahlen fassen lassen.

  • Holen Sie ein konkretes Angebot für eine Exchange-Migration oder ein Sicherheitsaudit ein – mit klarem Scope und nachvollziehbarem Preis.
  • Fragen Sie Ihren IT-Dienstleister nach dem Unterschied zwischen einmaligem Patch-Aufwand und laufenden ESU-Kosten.
  • Kalkulieren Sie den Ausfall Ihres Mail-Systems für 48–72 Stunden – dieser Betrag ist Ihr Mindest-Risikopuffer.
  • Prüfen Sie, ob Ihre Cyberversicherung ungepatchte Systeme vom Versicherungsschutz ausschließt – viele Policen tun das inzwischen.

Die IT-Dienstleistungen der TTG GmbH beinhalten bei Exchange-Projekten immer eine transparente Aufwandsschätzung vor Projektbeginn – damit Sie entscheiden können, ohne im Unklaren zu bleiben.

Welche DSGVO-Pflichten gelten, wenn mein Exchange-Server kompromittiert wird?

Die DSGVO-Dimension einer Exchange Sicherheitslücke On-Premises wird in der Praxis oft unterschätzt – oder mit Mythen belegt. Deshalb hier die wesentlichen Punkte klar und ohne Übertreibung.

Was ist Mythos? Die Vorstellung, dass nur Unternehmen mit besonders sensiblen Daten – also Arztpraxen oder Steuerberater – DSGVO-relevant betroffen sind, stimmt nicht. Jedes Unternehmen verarbeitet personenbezogene Daten: Mitarbeiter-E-Mails, Kundenkontakte, Bestelldaten. Sobald ein Exchange-Server kompromittiert wird und diese Daten abfließen, liegt eine meldepflichtige Datenpanne vor.

Was gilt wirklich?

  • Meldepflicht in 72 Stunden: Artikel 33 DSGVO verpflichtet Sie, eine Datenpanne unverzüglich – spätestens 72 Stunden nach Bekanntwerden – der zuständigen Datenschutzbehörde zu melden. Samstag und Sonntag zählen dabei mit.
  • Betroffenenbenachrichtigung: Wenn der Vorfall ein hohes Risiko für betroffene Personen darstellt (etwa bei abgeflossenen E-Mails mit Bankdaten oder Gesundheitsinformationen), müssen Sie auch die betroffenen Personen direkt informieren.
  • Dokumentationspflicht: Auch wenn Sie entscheiden, dass keine Meldepflicht besteht, müssen Sie diese Entscheidung intern dokumentieren – inklusive Begründung.
  • Technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs): Ungepatchte Systeme können als Versäumnis bei den TOMs gewertet werden – das erhöht das Bußgeldrisiko erheblich.

Ein verbreiteter Irrtum: „Wenn nichts schiefgegangen ist, muss ich nichts melden.“ Das stimmt nur bedingt. Wenn Sie nachweisen können, dass kein Datenzugriff stattgefunden hat (z. B. durch Logs), kann eine Meldepflicht entfallen. Aber genau dieser Nachweis setzt voraus, dass Sie überhaupt ein funktionierendes Logging betreiben – was in vielen Betrieben fehlt.

Empfehlenswert ist es, bereits vor einem Vorfall einen Notfallplan zu entwickeln, der festlegt, wer im Unternehmen die Meldepflicht koordiniert. Weitere Orientierung bieten die offiziellen Leitlinien der europäischen Datenschutzbehörden, die auch für kleinere Unternehmen aufbereitet sind.

Als regionaler IT-Partner – TTG GmbH unterstützen wir Unternehmen nicht nur technisch, sondern auch bei der Dokumentation der TOMs – einem Baustein, den viele Betriebe erst nach einem Vorfall nachrüsten wollen.

Cloud, Exchange SE oder Weiterbetrieb? – Ein ehrlicher Vergleich mit regionalem Praxisbeispiel

„Soll ich in die Cloud wechseln, auf Exchange Server SE upgraden oder meinen bisherigen Server weiterbetreiben?“ – Das ist die Frage, die wir derzeit am häufigsten hören, wenn es um die Exchange Sicherheitslücke On-Premises geht. Eine pauschale Antwort gibt es nicht, aber klare Kriterien schon.

SituationEmpfehlungWarum
Exchange 2016/2019, kein ESU, öffentlich erreichbarSofortiger Stopp der Internetexposition + Migration planenKein Support, aktiv ausgenutzte Lücken, höchstes Risiko
Exchange SE, monatlich gepatcht, kein OWA ohne VPNWeiterbetrieb mit monatlichem Patchzyklus + EEMS aktivEinzige vollständig unterstützte On-Premises-Version
Hybrid mit Microsoft 365, Exchange lokal noch aktivHybridkonfiguration prüfen, ggf. vollständig in Cloud migrierenKompromittierter On-Premises-Server gefährdet auch den Cloud-Tenant
Kleines Unternehmen, kein eigener IT-AdminMicrosoft 365 Business Premium (Cloud) empfehlenswertKein eigener Patchaufwand, integrierter Schutz, planbare Kosten

Ein konkretes Beispiel aus unserer Region: Ein mittelständischer Maschinenbauer mit rund 30 Mitarbeitern betrieb Exchange 2019 lokal – mit direktem OWA-Zugang ins Internet und zuletzt eingespielten Updates vor über neun Monaten. Erst im Rahmen eines Sicherheitsaudits stellte sich heraus, dass der Server bereits kompromittiert worden war. Die Wiederherstellung kostete das Unternehmen mehrere Tage Ausfallzeit und einen erheblichen Aufwand. Nach der Migration auf Exchange Server SE und der Einrichtung einer vorgelagerten WAF lief der Betrieb zuverlässig weiter – mit deutlich besserem Überblick über den Sicherheitsstatus.

Weiterführende Orientierung zur Entscheidung zwischen Cloud und On-Premises bietet der BSI – IT-Grundschutz für Unternehmen mit konkreten Empfehlungen für verschiedene Unternehmensgrößen.

Als ISO/IEC 27001-zertifizierter IT-Partner mit über 25 Jahren Erfahrung begleiten wir Unternehmen bei genau dieser Entscheidung – von der ersten Bestandsaufnahme bis zum abgeschlossenen Migrationsprojekt. Dabei empfehlen wir keine Standardlösung, sondern bewerten die individuelle Infrastruktur. Sprechen Sie uns an – Jetzt unverbindlich Kontakt aufnehmen.

Das Wichtigste auf einen Blick: Fünf Punkte, die jetzt zählen

Die Exchange Sicherheitslücke On-Premises ist kein abstraktes Bedrohungsszenario – sie betrifft heute konkret Tausende Unternehmen in Deutschland, von denen die meisten noch nicht reagiert haben. Hier sind die fünf wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Artikel, kurz und direkt:

  1. Exchange 2016 und 2019 sind ohne ESU nicht mehr sicher. Beide Versionen erhalten seit Oktober 2025 keine regulären Sicherheitsupdates mehr. Wer kein ESU-Abonnement hat und nicht migriert ist, betreibt einen ungeschützten Server – unabhängig davon, wie stabil er läuft.
  2. Der August-Patchday 2026 muss sofort umgesetzt werden. Microsoft hat mehrere kritische Lücken in Exchange SE, 2019 und 2016 geschlossen. Wer dieses Update noch nicht eingespielt hat, riskiert eine Übernahme durch Angreifer, die Exploits innerhalb weniger Tage nach Patch-Veröffentlichung entwickeln.
  3. OWA ohne Schutzschicht ist ein offenes Einfallstor. Outlook Web Access darf nie direkt aus dem Internet erreichbar sein – immer nur über VPN, WAF oder Reverse Proxy. Das gilt auch für aktuell gepatchte Server.
  4. Hybride Setups brauchen gesonderte Aufmerksamkeit. Ein kompromittierter On-Premises-Exchange kann als Brücke in den verbundenen Microsoft-365-Tenant genutzt werden. Wer beides betreibt, muss beide Seiten absichern – Berechtigungskonzept und Connector-Konfiguration explizit prüfen.
  5. Die 72-Stunden-Meldepflicht gilt auch für Sie. Wenn Ihr Exchange-Server durch eine Exchange Sicherheitslücke On-Premises kompromittiert wird und personenbezogene Daten betroffen sind, sind Sie zur Meldung verpflichtet – unabhängig von Unternehmensgröße oder Branche. Wer kein Logging betreibt, kann im Ernstfall nicht einmal nachweisen, dass kein Datenzugriff stattgefunden hat.

Abseits dieser fünf Punkte lohnt ein Blick auf aktuelle Parallelmeldungen: Heise Security berichtete Ende August, dass auch PaperCut NG/MF – eine in vielen Betrieben genutzte Druckverwaltungssoftware – aktiv angegriffen wird und ein Notfall-Update bereitsteht. Das zeigt: Schwachstellen in etablierter Unternehmenssoftware sind kein Exchange-spezifisches Problem, sondern ein systematisches. Wer seinen Exchange-Server jetzt prüft, sollte gleich die gesamte Patchsituation seiner Infrastruktur unter die Lupe nehmen.

Der konkrete nächste Schritt: Prüfen Sie heute noch, welche Exchange-Version in Ihrem Unternehmen läuft, wann zuletzt gepatcht wurde – und ob Ihr Server aus dem Internet erreichbar ist. Diese drei Informationen reichen, um einzuschätzen, wie dringend Handlungsbedarf besteht.

Ihre Checkliste: So starten Sie jetzt

  1. Prüfen Sie die installierte Exchange-Version und Build-Nummer in der Exchange Admin Console – und vergleichen Sie sie mit dem aktuellen Microsoft-Patchstand.
  2. Stellen Sie sicher, dass das August-Update 2026 (CVE-2026-65813, CVE-2026-62913, -62914, -62910) auf Ihrem Exchange-Server eingespielt ist – oder terminieren Sie es für das nächste Wartungsfenster spätestens diese Woche.
  3. Prüfen Sie, ob OWA, ActiveSync oder Autodiscover ohne VPN oder WAF direkt aus dem Internet erreichbar sind – und sperren Sie diesen Zugang sofort, falls ja.
  4. Aktivieren Sie den Emergency Mitigation Service (EEMS) in der Exchange-Konfiguration, sofern er noch nicht aktiv ist – er blockt bekannte Angriffsmuster automatisch.
  5. Deaktivieren Sie Basic Authentication auf allen virtuellen Exchange-Verzeichnissen und aktivieren Sie Modern Authentication sowie MFA für alle Admin-Konten.
  6. Überprüfen Sie, ob Sie eine hybride Exchange-Konfiguration betreiben – und lassen Sie die Connector-Konfiguration und Berechtigungskonzepte zwischen On-Premises und Microsoft 365 explizit bewerten.
  7. Dokumentieren Sie den aktuellen Sicherheitsstatus Ihres Exchange-Servers schriftlich – als Grundlage für Ihre DSGVO-Dokumentation der technischen und organisatorischen Maßnahmen.
  8. Sprechen Sie mit Ihrem IT-Dienstleister über einen konkreten Migrationspfad zu Exchange Server SE oder Microsoft 365 – mit Zeitplan und realistischer Aufwandsschätzung.

Häufig gestellte Fragen

Mein Exchange-Server läuft seit Jahren stabil – muss ich wirklich jetzt handeln?

Ja – und zwar unabhängig davon, wie stabil Ihr Server läuft. Stabilität bedeutet nicht Sicherheit. Exchange 2016 und 2019 erhalten seit Oktober 2025 keine regulären Sicherheitsupdates mehr. Aktuelle Angriffe wie CVE-2026-62911 nutzen genau diese Lücke aus, ohne dass der Betrieb des Servers zuvor auffällig war. Ein laufender Server, der nicht gepatcht wird, ist ein sicheres Ziel – nicht ein sicherer Betrieb.

Wie schnell kann mein Server nach Bekanntwerden einer Lücke angegriffen werden?

Sehr schnell – und das ist kein theoretisches Risiko. Die CISA dokumentiert, dass Angreifer typischerweise innerhalb weniger Tage nach Patch-Veröffentlichung funktionsfähige Exploits entwickeln. Bei CVE-2026-62911 existiert bereits ein öffentlich verfügbarer Proof-of-Concept. Das bedeutet: Das Fenster zwischen Patch-Veröffentlichung und erstem Angriff ist kleiner als ein Wochenende. Warten ist keine Option.

Was kostet mich ein Wechsel zu Microsoft 365 im Vergleich zum Weiterbetrieb?

Pauschal lässt sich das nicht sagen – die Kosten hängen von Nutzerzahl, Lizenzmodell und Migrationsaufwand ab. Microsoft 365 Business Premium kostet pro Nutzer und Monat eine überschaubare Summe und entfällt dafür der Aufwand für Patches, Wartung und Hardware. Für Unternehmen ohne eigenes IT-Personal ist das häufig die kostengünstigere Gesamtlösung. Lassen Sie sich ein konkretes Angebot erstellen – erst dann haben Sie belastbare Zahlen.

Bin ich als kleines Unternehmen wirklich ein lohnendes Ziel für Angreifer?

Angreifer suchen nicht nach prominenten Zielen – sie suchen nach verwundbaren Systemen. Automatisierte Scans durchsuchen das Internet permanent nach bekannten Schwachstellen, unabhängig von Unternehmensgröße oder Branche. Ein ungepatchter Exchange-Server eines kleinen Handwerksbetriebs ist genauso angreifbar wie der eines Großkonzerns. Der Unterschied: Großunternehmen haben oft dedizierte IT-Sicherheitsteams. Sie wahrscheinlich nicht.

Was muss ich tun, wenn ich vermute, dass mein Server bereits kompromittiert wurde?

Trennen Sie den Server sofort vom Internet – nicht herunterfahren, aber vom Netzwerkzugang isolieren. Sichern Sie alle verfügbaren Logs, bevor sie überschrieben werden. Informieren Sie Ihren IT-Dienstleister und – wenn personenbezogene Daten betroffen sein könnten – prüfen Sie die 72-Stunden-Meldepflicht nach DSGVO. Die TTG GmbH unterstützt im Ernstfall bei der forensischen Erstbewertung und der Koordination der nächsten Schritte.

Über den Autor
Martin Trappe ist Geschäftsführer der TTG Daten- und Bürosysteme GmbH in Dingelstädt. Mit über 25 Jahren Erfahrung im IT-Mittelstand betreut er kleine und mittelständische Unternehmen in Nordthüringen, Eichsfeld und Südniedersachsen. Die TTG GmbH ist ISO/IEC 27001 zertifiziert – dem höchsten Standard für Informationssicherheit.

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